Mittwoch, 13. September 2017

Grenzen

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Es gibt ja dieses schöne Lied Grenzen von Dota: https://www.youtube.com/watch?v=MgpoE_2dWhY
Darin äußert sie ihr Befremden über Landesgrenzen, da wir doch alle Bürger*innen der einen Erde sind. Aber sie zeigt auch, daß es persönliche Grenzen gibt, die aufgezeigt und respektiert werden müssen.
Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, ich bin im Laufe meines Lebens ganz gut geworden im Grenzensetzen. In meiner Geschichte mit Männern habe ich das zum Beispiel durch diverse schlechte Erfahrungen gelernt. Ich denke an den alten und blöden Spruch: Wer A sagt muss auch B sagen.
Nee, muss er/sie nicht. Wenn ich freundlich zu einem Mann bin, heißt das noch lange nicht, daß ich etwas von ihm will.
Aber das gilt natürlich für alle Bereiche. In der Arbeit mit Geflüchteten habe ich ab und zu mit großer Bedürftigkeit zu tun. Ich muss dann sehr klar sagen - oft auch mehrmals: über die Zeit hinaus, die ich für euch da bin, geht bei mir nichts. Mir macht die sichtbare Enttäuschung der Menschen dann manchmal zu schaffen. Aber ich kann und will nicht alle Bedürfnisse abdecken.

In den Krankenhäusern zeigt sich mittlerweile zunehmend dramatisch der seit vielen Jahren prognostizierte Mangel an Pflegekräften. Stationen werden geschlossen, da es an Personal fehlt. So auch in der Klinik, in der ich arbeite. Seit ca. zwei Wochen arbeite ich jetzt auf unterschiedlichen Stationen, während meine eigene leer und verwaist ist. In den Kieler Nachrichten las ich neulich zum Thema Pflegemangel: Die Politik ist ratlos.
Da kann ich nur sagen: Ihr Politiker, redet doch mal mit dem Pflegepersonal statt mit irgendwelchen Anzugträgern aus den Vorständen. Ich bin sicher, daß es dann den einen oder anderen Rat gäbe. Ich will gar nicht wieder mit der Bezahlung anfangen, obwohl die natürlich auch ein Thema sein könnte.
Neulich las ich in einer auf der Station herumliegenden Pflegezeitschrift einen Artikel über die gesunde Gestaltung des ungesunden Schichtdienstes. Die Schreiberin hatte offensichtlich nie in ihrem Leben Schichtdienst gemacht, denn ihre Vorschläge waren völlig realitätsfern. Z. B. ein Ausschlaftag nach dem Nachtdienst. Ich arbeite in Blöcken von vier aufeinander folgenden Nächten. Da komme ich mit einem Ausschlaftag nicht aus. Früher hatten wir eine Woche Nachtdienst, anschließend eine Woche frei. Das ist angemessen. Sie forderte auch einen freien Abend in der Woche. Bitte? Schichtdienste sind per se schon familienfeindlich und ein Hindernis für ein normales soziales Leben. Ein freier Abend in der Woche? Dann kann eine sich gleich ganz von Kind und Kegel und dem gesamten Freundeskreis verabschieden.
Ich arbeite seit 1975 überwiegend im Schichtdienst. In den 80er und 90er Jahren war das noch erträglich. Die Nachtdienste waren sehr lang, dafür fing der Frühdienst nicht vor 7:00 an und der Spätdienst hörte nicht nach 20:00 auf. Ich war in dieser Zeit zehn Jahre lang alleinerziehend und hatte das Glück, eine Tagesmutter für meine Tochter zu haben, die meine Dienste klaglos mitmachte, wofür ich ihr ewig dankbar sein werde. An den Dienstwochenden sprangen meine Eltern ein. Auch ihnen sei Dank!
Bei den heutigen Dienstzeiten wäre mir das nicht mehr möglich. Was soll ich mit einem Kind, wenn ich zum Frühdienst um 4:00 aufstehen muss und nach dem Spätdienst frühestens um 22:00 zu Hause bin.
Wenn Eltern in der Pflege arbeiten und Kinder haben, wie einige meiner Kolleg*innen, sehen sie sich oft tagelang kaum. Sie geben sich nur die Klinke in die Hand, damit immer einer für die Kinder da sein kann.
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Heute wachte ich nach einem Traum von der geschlossenen Station auf, auf der ich gestern arbeitete und hörte den strömenden Regen. Das schlug mir auf die Stimmung. Aber als ich rausging, sprang mir eine sich gerade auseinander faltende Stechapfelblüte ins Auge. Ich habe diese Pflanze von einer Teilnehmerin meines letzten Kräuterkurses geschenkt bekommen (Danke noch einmal, J.!) und hatte längst nicht mehr mit Blüten gerechnet.
Und die Herbstzeitlosen fangen an zu blühen. Also gibt es auch bei ungemütlichsten Wetter Grund zur Freude.
Ich nutzte dann die Zeit, um endlich mal das Wohnzimmer bis in den letzten Winkel zu entstauben und hörte dabei schöne Musik. Dabei entdeckte ich, daß eine von den Mäusen, die Skadi in die Wohnung gebracht hatte, sich hungrig über zwei meiner Fotoalben hergemacht hat.

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