Montag, 10. Juli 2017

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Nachtrag zum Krieg in Hamburg:
Das rauschhafte Zerstören, das am Wochenende in Hamburg stattgefunden hat, entspringt einem Denken, das ich gut kenne. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gehörte auch ich zu denen, die davon überzeugt waren, daß nur auf den Trümmern des alten Systems eine neue gute Gesellschaft, frei von Ausbeutung und Unterdrückung, aufgebaut werden könne. Und wir glaubten, daß es unsere Aufgabe sei, das mit dem Zertrümmern zu erledigen. Unser Motto war damals: erst mal tut es weh, das ist unausweichlich, das sind sozusagen die Geburtswehen der neuen Gesellschaft. Ich habe weder Steine noch Molotowcocktails geworfen, aber ich habe solche Aktionen für gut befunden.
Heute weiß ich, daß Gewalt Gewalt ruft. Altes magisches Gesetz: Was du rufst, kommt! Was du über die Welt denkst, wird dir zurückgespiegelt.
Deshalb laufen sich Politiker schon wieder warm, Gesetze zu verschärfen, die Rote Flora zu verbieten, eine staatsübergreifende Datei von "gewaltbereiten Linksradikalen" anzulegen. Leider also mal wieder nichts gelernt!
Krieg ruft Krieg, Gewalt ruft Gewalt.
Daß der Kapitalismus sowieso endet, wie es an der Roten Flora stand, steht fest: er wird verschwinden wie bisher noch jede Gesellschaftsform irgendwann verschwunden ist. Mit seinem Wachstumsparadigma hat er zudem ein ihm innewohnendes Selbstzerstörungsprogramm: ewiges Wachstum in einem begrenzten System führt zu seiner Vernichtung. Krebs ist das analoge Geschehen im Körper.
Oder wir entscheiden uns, die Logik des Kapitalismus nicht mehr zu bedienen, ihn sozusagen auszuhungern. Er funktioniert ja nur, solange Menschen kaufen, kaufen, kaufen.
Gestern sah ich in irgendeiner Zeitung Bilder von den Aufräumarbeiten in Altona und Schanzenviertel: Es waren ausschließlich Frauen auf der Straße, die die Trümmer beseitigten.
Das aktivierte mal wieder alte Urteile in mir, die ich gern endgültig aufgeben würde: Männer zerstören, Frauen bauen wieder auf!
Ja, ich weiß, daß es auch gewalttätige Frauen und friedliche und fleißige Männer gibt, aber häufig stimmen noch die alten Klischees. Das ödet mich an.
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