Montag, 24. April 2017

Energien

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Danke, liebe Monika, für das Kompliment!

Gestern gönnte ich mir eine kleine Wanderung zu einem Waldstück, das ich noch nicht kannte. Anfangs ging ich brav auf den Wegen und bewunderte den blühenden Schlehdorn. Blühende Kirschen und Schlehen haben immer etwas Magisches, finde ich. In unserem alten Garten in Münster stand ich oft unter dem weiß blühenden Sauerkirschbaum und hatte dabei das deutliche Gefühl, in einer Art Feenreich gelandet zu sein.
Dann verließ ich irgendwann den Weg, der mich zwischen steilen Hügeln hindurch führte, gelangte auf eine Streuobstwiese auf einer Lichtung, fand eine uralte hohle Eiche, die voller Knospen war. Von der Anhöhe aus konnte ich ein Haus sehen und machte mich an den Abstieg. Ich kam auf eine kleine Straße und dann nach Bauersdorf. Ab hier kannte ich mich wieder aus. Bei diesem Querfeldeingehen finde ich oft interessante Dinge, z. B. dieses hier:
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Das erinnert mich an Pippi Langstrumpf und die Sachensucher. Allerdings verzichtete ich aufs Mitnehmen. Was wohl die Archäolog*innen der Zukunft zu diesen Dingen sagen werden?

Heute fuhr ich nach Kiel und meldete mich im Institut francais zu einem Intensivkursus an, den ich als Bildungsurlaub beantragt habe.
Die Leiterin und eine weitere Frau standen vorm Computer und unterhielten sich auf Französisch über das Wahlergebnis. Sie waren erleichert, daß Marine Le Pen weniger Stimmen bekommen hatte als Macron.
"Der Kelch ist an uns vorbei gegangen", sagte sie zu mir in völlig akzentfreiem Deutsch. Sie lebt schon lange hier.
Gut gelaunt fuhr ich zu meiner Osteopathin. Während der Behandlung sah ich wie auch beim letzten Mal Strukturen, die sich bewegten. Ich kann sie aber unmöglich beschreiben; sie glichen nichts Bekanntem. Frau D. sagte, das käme öfter vor. Es seien wohl energetische Phänomene, die man vielleicht irgendwann wissenschaftlich erklären könne.
Ich brauche keine Erklärung. Ich finde es einfach nur spannend.
Als ich nach Hause fuhr, goss es. Das war sicher gut, denn ich wäre sonst wieder in den Garten gegangen und hätte geackert. Aber irgendwie wollte die Osteopathiebehandlung ganz ruhig verdaut werden.
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Die Zeitschrift Brennstoff, von der ich hier schon einige Male geschwärmt habe, gibt es jetzt auch online: www.brennstoff.com

Samstag, 22. April 2017

Atmen

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Nein, das ist kein Navi sondern das Osterpäckchen meines Sohnes

Ostern habe ich immer gern gemocht. Als Kind gehörte auch der Kirchgang dazu. Ich erinnere mich an die Ausflüge mit Bruder, Eltern und Großeltern im Solling, Picknick mit gefärbten Eiern, Sonne. Am allerbesten waren aber die Osterfeuer am Samstagabend. Vom Berghang oberhalb des Hauses, in dem meine Großeltern wohnten, konnten wir die Feuer der Nachbarorte sehen. Und den gigantischen Sternenhimmel! Mein Vater sagte, der Weltraum sei unendlich. Die Vorstellung machte mich schwindelig. Heute weiß ich, daß er nicht unendlich ist. Als Kind hätte mich die Frage, was dahinter kommt, sicher sehr beschäftigt. Heute seltsamerweise nicht mehr. Irgendwie habe ich gelernt, mit dem Nicht-Wissen klar zu kommen, wenigstens in diesen Dimensionen.
Diese Jahr war Ostern eher anstrengend. Ich hatte die ganzen Tage Dienst und wenig von meinem Besuch. Meine Tochter musste Arbeiten korrigieren, ihr Freund hatte von einem seiner Profs noch ein Referat aufs Auge gedrückt bekommen, mit dem er sich über die Feiertage abquälte.
Das geplante Osterfeuer im Garten fiel wegen heftigem Regen aus, und überhaupt war es sehr kalt.
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Gestern nahm B. mich mit nach Grebin, ziemlich in der Nähe, zu einem privat organisierten Filmabend über das südniedersächsische Dorf Heckenbeck, in dem es unter anderem eine freie Schule und offensichtlich viele zufriedene Menschen gibt. Anschließend ergab sich noch ein Gespräch über anders leben, alternative Anbau- und Vermarktungsmethoden und Zukunftsgestaltung. Mir hat es gefallen.
In dem Film sagte ein Obstbauer, er sähe seine Arbeit mit den Apfelbäumen als etwas Spirituelles, da er eine Beziehung zu ihnen eingehe, indem er sie beobachte und fühlte, was sie brauchten. Das mache ihn zufrieden. Ich habe lange Schwierigkeiten mit dem Begriff Spiritualität gehabt, hatte aber keine andere Bezeichnung. Aber vor wenigen Wochen las ich irgendwo, daß das Wort spirituell mit dem lateinischen spirare = atmen verwandt ist. Na klar!
Demnach bedeutet Spiritualität, daß das, was uns mit allem Lebendigem verbindet, dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, das Atmen ist. Mich hat das immer bei den Pflanzen fasziniert, die das CO² einatmen, das wir ausatmen. Ihrerseits atmen sie Sauerstoff aus, den wir wieder einatmen. Wir befinden uns also in einer natürlichen Kooperation mit den grünen Pflanzen und sie mit uns.
Auch das Wort Inspiration enthält das Atmen: wir atmen etwas ein, was unseren Geist beflügelt, uns neue Gedanken, Bilder, Impulse gibt.
Das bewusste tiefe Atmen hilft in den Körperpsychotherapien, mit verdrängten Gefühlen in Berührung zu kommen. Mit dem Einatmen kommen wir zu uns selbst, mit dem Ausatmen verbinden wir uns mit der Welt. Und wir alle atmen die gleiche Luft. Schon deshalb beruht doch das Gefühl von Trennung auf einer Wahrnehmungsstörung.
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Dienstag, 4. April 2017

Bewusstsein

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Ich hatte drei Monate lang einen trockenen Reizhusten und bin schließlich zum Arzt gegangen. Nicht um mir irgendwelche Mittelchen verschreiben zu lassen, die ich dann sowieso nicht nehme, sondern um mich mal röntgen zu lassen. Denn ich war immerhin bis vor elf Jahren starke Raucherin. Laut Röntgenaufnahme ist alles in Ordnung. Meine Osteopathin äußerte die interessante These, daß es mit meinem vor einigen Jahren ausgehebeltem Schlüsselbein zu tun haben könnte. Meine bewährten Pflanzenhelfer Huflattich, Thymian und Holunder haben den Husten nicht lindern können, Königskerze nur zeitweise. Seltsamerweise hatte ich nach Jans Tod über eine Woche gar keinen Husten. Jetzt ist er wieder da, allerdings nur noch ganz selten. Aber jetzt wächst auch wieder der Spitzwegerich im Garten, in solchen Massen, daß ich das nur als Aufforderung nehmen kann. Er hat mir schon einige Male geholfen, und ich fühle förmlich, wie er meine strapazierten Bronchien besänftigt.
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Kürzlich las ich in einem Buch über Meditation, daß Menschen im Unterschied zu Tieren Bewusstsein hätten. Ich bin immer wieder erstaunt, mit welcher Sicherheit sowas behauptet wird.
Am Wochenende las ich im Zug nach Hamburg die Süddeutsche Zeitung. Da fand ich eine Artikel über Oktopusse, in dem ganz erstaunliche Sachen berichtet wurden. Z. B. daß sie ein Gehirn haben, das sich quasi im ganzen Körper befindet und bis in ihre acht Arme hineinreicht. Ja, und Wissenschaftler haben heraus gefunden, daß die Oktopusse ein Bewusstsein von sich selbst haben. Von Säugetieren und Vögeln wusste man das schon vorher. Ich musste lachen.
Na ja, wahrscheinlich wird man demnächst wissenschaftlich beweisen, daß alle Tiere und sogar Pflanzen und Pilze ein Bewusstsein haben.
Woher kommt eigentlich dieser Drang vieler Menschen, sich von Tieren abzuheben? Ich meine, wir sind ja nun mal biologisch gesehen Säugetiere. Was ist dagegen einzuwenden?
Wenn ich mich mit einem Oktopus vergleiche, könnte ich mir vorstellen, daß er vielleicht sogar viel, viel intelligenter ist als ich, da er eine viel längere Entwicklungszeit hatte. Uns Menschen gibt es ja nun wirklich erst seit Kurzem.

Mittwoch, 29. März 2017

Lehrer und Glaubenssätze

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Im Gespräch mit meiner Freundin L. kamen wir auf die Fehler unserer Lehrer zu sprechen. Auch J. war für mich ein Lehrer. Und je länger und besser ich ihn kannte, desto unausweichlicher wurde ich auch seiner blinden Flecken gewahr. Es gab auch Reibung zwischen uns. Nein, ich rede nicht schlecht über Tote, ich sage lediglich wie es ist.
Im Laufe der Jahre habe ich Lehrer und Lehrerinnen mit ganz krassen blinden Flecken kennen gelernt. Lange hat mich das gestört: ich wollte halt an das rundherum Gute glauben.
Damit bin ich jetzt weitgehend versöhnt. Ich habe es mit Menschen zu tun, die spiegeln mir etwas spiegeln, was ich vielleicht bei mir selbst nicht erkennen kann. Manchmal fallen mir plötzlich alte Begebenheiten ein, bei denen ich mich auf eine Art und Weise verhalten habe, die ich mittlerweile doof, peinlich und beschämend finde. Ja, wir sind wohl wirklich hier um zu lernen.

Eine weiter spannende Sache sind die Glaubenssätze, mit denen wir alle ständig zu tun haben: Überzeugungen, wie die Welt, wir selbst und andere zu sein haben.
Sätze wie "er sollte...", "sie hätte...", "ich müsste..." sind nach meiner Erfahrung in der Regel Glaubenssätze. Wenn ich zum Beispiel mit der Unzuverlässigkeit einer Freundin hadere, wie kürzlich geschehen, steckt dahinter der Glaubenssatz, daß sie gefälligst zuverlässig sein sollte, sprich meinen eigenen moralischen Vorstellungen zu entsprechen hat.
Ich habe vor langer Zeit ein Seminar mit Byron Katie in Hamburg besucht, bei dem sie in einem vollen Saal "The Work" mit Menschen und deren persönlichen Glaubenssätzen machte. Dieser Tag hat mir eine Menge Aha-Erlebnisse beschert. Die meisten Glaubenssätze über das, was andere machen oder sein sollten, führen unweigerlich zu Stress. Und ich habe noch nie erlebt, daß meine Männer, Freundinnen, KollegInnen meine Vorstellungen, wie sie zu sein und zu handeln hätten erfüllt haben.
Ich mache die Selbstbefragung "The Work" nur noch selten, aber wenn, führt sie fast immer zu einer deutlichen Entspannung. Nein, ich kann nicht wissen, wie andere sich zu verhalten haben. Nein, ich kann nicht wissen, was das Beste für sie ist. Und oft hat sich im Nachhinein herausgestellt, daß ich genau diese Erfahrung brauchte, um einen Schritt weiter gehen zu können.
Wenn ich keine vorgefasste Meinung mehr habe, wie Menschen sich verhalten sollten, wird mein Geist sehr weit und frei. Dann scheint plötzlich alles möglich.

Eine andere feine Methode frei zu sein, ist Naikan. Hier werden die Beziehungen zu nahestehenden Menschen mit drei Fragen untersucht: Was hat die Person für mich getan? Was habe ich für diese Person getan? Welche Schwierigkeiten habe ich ihr bereitet?
Im Alltag ist wohl eher die Frage da: Was hat diese Person mir angetan?
Naikan hat mir soviel Frieden geschenkt wie kaum etwas in meinem Leben. Und es hat meinen Blick für das Gute in mir und in anderen Menschen weiter gemacht.
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Sonntag, 19. März 2017

Jans ist tot

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In der Nacht vom 16. auf den 17. März ist mein langjähriger Freund Jans gestorben. Ich hatte bereits über seine schwere Erkrankung berichtet.
Seine Frau, meine Freundin I. rief mich am frühen Morgen an, und ich fuhr nach Kiel. J. lag so friedlich im Bett wie er an I.s Seite gestorben ist. Ich hatte ihn zehn Tage vorher das letzte Mal lebend gesehen und mit ihm geredet. Da war er deutlich abgemagert und vertrug den Kuchen, den ich mitgebracht hatte, nicht mehr so gut. Aber geistig war er noch frisch und klar, und sein Blick war wach.
Bemerkenswert finde ich, daß er noch zwei Tage vor seinem Tod mittags gekocht hatte, wie an jeden Tag seitdem er Rentner geworden war. Erst in den letzten Tagen bekam er Probleme mit dem Atmen. Er hat keine Schmerzmittel gebraucht, auch das finde ich beachtlich. Er ist sozusagen bis fast zum Schluss aufrecht gegangen. Das entspricht ganz seinem auf völlige Autonomie bedachten Wesen.
Alles in allem ist er also gut gestorben.
Ich sagte bei der Arbeit Bescheid, daß ich nicht zum Nachtdienst käme und blieb bei I. in Kiel. Es kamen noch zwei weitere Freundinnen angereist. Wir frühstückten, dann fuhr ich nach Hause, um zu duschen und ein Suppenhuhn aus dem Gefrierfach zu holen. Damit fuhr ich wieder nach Kiel. Auch meine Tochter und die Tochter von J. kamen. Wir saßen zusammen, erzählten Geschichten, die wir mit J. erlebt hatten und lachten sehr viel. Natürlich wurde auch geweint. Ab und zu suchte eine den Toten auf. Es war eine sehr schöne Stimmung.
Als ich nachmittags noch einmal bei ihm war, wurde mir klar, daß die Seele sich nicht plötzlich aus ihrer innigen Verflechtung mit dem Körper löst, sondern daß es fortschreitend geschieht. Ebenso gibt es auf körperlicher Ebene keinen festen Zeitpunkt des Todes: nach und nach verabschieden sich die Organe. Das mag bei einem schneller gehen, bei der anderen langsamer.

J. hat Silvester zu I. und mir gesagt, er wolle uns nach seinem Tod ein Zeichen schicken. Ich dachte an zerplatzende Glühbirnen oder fallende Jalousien. Als ich abends allein in der Küche von J. und I. stand und wartete, daß das Wasser mit dem Huhn anfing zu kochen, bekam ich das Zeichen. Es kam völlig unerwartet, es kam völlig anders, als ich es mir vorgestellt hatte, und es gab keinen Zweifel.
Ich möchte an dieser Stelle noch sagen, daß Jans vor dreißig Jahren der Therapeut war, mit dessen Hilfe sich mein Leben und mein Denken um 180° gedreht hat. Durch ihn habe ich gelernt, Energien im Inneren und Äußeren wahrzunehmen. Mit seiner Hilfe habe ich die feine flimmernde Aura um meine Hände sehen können und die wabernde Energie, die aus seinem selbstgebauten Orgon-Akkumulator kam. Zwei Jahre war er mein Therapeut, seitdem waren wir befreundet. Er zog Anfang der 90er Jahre aus beruflichen Gründen nach Kiel. Ende 1997 führte das Leben auch meinen Ex-Mann J. und mich in den Norden. So waren unsere Wege seit 31 Jahren schicksalhaft miteinander verknüpft.
Danke, Jans, daß du in meinem Leben gewesen bist.
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Sonntag, 12. März 2017

Kühe und andere Tiere

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Ich habe ja immer geglaubt, die Demeter-Bauern seien die besten. Dementsprechend kaufe ich seit Jahren Milch und sehr selten Fleisch fast ausschließlich bei den freundlichen Leuten von Hof Sophienlust. Ich habe sie nie näher nach den Haltungsbedingungen für ihre Tiere gefragt. Das werde ich aber demnächst tun.
Denn im Gespräch mit meinem Imkerkollegen R. kamen wir auf das Thema, daß Kälbchen kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden und dann nie mehr an deren Zitzen dürfen, sondern mit einem Milch-Wasser-Gemisch gefüttert werden. Weil die Milch ja an die Menschen verkauft werden soll. Das machen auch Bio-Bauern, ebenso wie die meisten von ihnen ihre Kühe enthornen, also verstümmeln. R. ist Demeter-Imker. Ich fragte ihn, was denn die Demeter-Bauern mit ihren Kälbchen machen. Ich erfuhr von ihm, daß sie in der Regel zwei bis drei Tage bei ihren Müttern bleiben. Das war's dann aber auch schon. R. sagte: "Die Demeter-Bauern können sich auch nicht mit gutem Gewissen im Spiegel anschauen."
Dann erzählte er von seinem Nachbarn, der sich zusammen mit zwei weiteren Milchbauern unter dem Namen De Ökomelkburen (http://deoekomelkburen.de/) zusammengeschlossen hat. Die drei lassen die Kälbchen bei ihren Müttern bzw. Ammenkühen, alle zusammen dürfen in ihrer Herde leben, wie es Rindern nun mal wesensgemäß ist. Vorteil dieser Art von Haltung ist, daß die Muttertiere nicht so oft entzündete Euter haben, daher viel seltener Antibiotika bekommen (ja, auch Biobauern arbeiten mit Antibiotika, nur eben nicht ganz so oft und selbstverständlich wie konventionelle) und natürlich geht es Müttern und Kindern besser. Ach, und enthornt werden diese Rinder auch nicht!
Die Milch dieser Bauern ist etwas teurer. Das ist es mir wert.
Wieder was dazu gelernt!
Jetzt werde ich mit den Demeter-Leuten auf dem Markt reden und dann entscheiden, wo ich demnächst meine Milch kaufe.
Übrigens ist der Begriff konventionell für nicht ökologisch orientierte Agrarmethoden eigentlich falsch. Als ich ein Kind war, habe ich noch konventionelle Landwirtschaft erlebt: Kühe mit Hörnern, unpasteurisierte und unhomogenisierte Milch, die wir in der Milchkanne abholten, Pferde, die Pflüge und Eggen über den Acker zogen und in Garben gebündelte Roggen- und Weizenpflanzen, die auf dem Feld trockneten, bevor sie gedroschen wurden, Roggen, der auf mannshohen Halmen wuchs. Das war konventionelle Landwirtschaft.
Gifte und Kunstdünger kamen da gerade erst auf. Das, was heute als konventionelle Landwirtschaft bezeichnet wird, müsste korrekterweise Agrarindustrie genannt werden.

Wegen der anhaltenden Aufstallerei und der Massentötung von Geflügel beim geringsten Verdacht von Geflügelpest hier im Norden wollen jetzt einige engagierte Menschen vor Gericht ziehen. Das kann man nur unterstützen, finde ich. Die personelle und finanzielle Nähe des Friedrich-Löffler-Instituts auf Riems zu Massengeflügelhaltern in Niedersachsen (Wiesenhof-Eier), das die Politiker seit Jahren mit immer den gleichen Empfehlungen versorgt, lässt vermuten, wessen Interessen bedient werden. Jedenfalls nicht die der kleinen Selbstversorger-Hühner-, Enten- und Gänsehalter und schon gar nicht die der Vögel.
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Samstag, 4. März 2017

Lassenskraft

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Meine Freundin I. brachte mir einen Artikel aus der TAZ mit. In ihm ging es um einen Großhändler, der in Spanien eine riesige Finca besitzt, die er permakulturell bewirtschaften lässt. Die Zitrusfrüchte, Avocados und das Gemüse aus diesem Anbau werden in allen Real-Filialen als Permakultur-Ware deklariert und verkauft. Real kann damit ganz groß auftreten, weil grundsätzlich Permakultur ein viel radikaleres Konzept hat als Bioanbau.
Als ich den Artikel gelesen habe, wurde mir schlecht. Mag ja sein, daß dieser Unternehmer in Spanien sein Land nach permakulturellen Prinzipien gestaltet hat, also die typischen Mischkulturen mit ausdauernden Pflanzen, Waldgarten etc. Aber er lässt dort arbeiten und bezahlt nach eigenen Worten seine Arbeiter zwar besser als sonst in der Biobranche üblich; daß er aber in großem Maßstab seine Produkte mit LKW nach Deutschland karrt, hat mit Permakultur-Prinzipien nichts mehr zu tun. Und daß die Früchte bei Real genauso in Plastik eingeschweißt sind wie die konventionell gezogenen, ist in meinen Augen das Letzte. Das Allerletzte ist, daß dieser Großunternehmer in Deutschland einen fetten Schlitten für satte 70.000 Euro fährt. Alles klar?
Dieses Beispiel zeigt ein weiteres Mal, daß der Kapitalismus sich bis jetzt noch fast jede Bewegung, die eigentlich aus ihm ausbrechen wollte, zu eigen gemacht hat. So die Biobranche, die mittlerweile auch mit riesigen Monokulturen und Massentierhaltung arbeitet.
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Die Zeitschrift Oya, die ich hier gern und oft erwähne, macht zur Zeit einen Transformationsprozess durch, der genau diesen Ausgangspunkt hat, nämlich die Feststellung, daß wir alle, ob wir wollen oder nicht, der Megamaschine (so nennen sie das globale kapitalistische System) dienen. Was also tun?
In einer der letzen Ausgaben kam auf diese Frage in einem imaginierten Dialog mit der Mystikerin und Kräuterkundigen Hildegard von Bingen von ihr die Antwort: "Geh nach Hause und kümmere dich um die Bienen." Dieser Satz hat bei mir und offensichtlich bei vielen Leser*innen der Oya wie ein Blitz eingeschlagen.
Für mich heißt er: Gehe nach Hause und kümmere dich um das, was dir nahe ist - dein Haus, dein Garten, die Menschen und die mehr-als-menschlichen Wesenheiten in deinem persönlichen Feld.
Ein zweites schönes Wort, auch aus der Oya, ist die "Lassenskraft". Ausgehend von der Beobachtung, daß der Zustand unserer Gattung und derer, die wir mit unserem Lebensstil mit ins Verderben reißen, durch unser Tun, unser ständiges Eingreifen, vorgebliches Optimieren der natürlichen Ordnung und Vernichten der natürlichen Unordnung hervorgerufen und weiterhin aufrecht erhalten wird, geht es darum zu lassen.
Da kommen Fragen auf: Was kann ich lassen? Was brauche ich wirklich?
Und da stelle ich fest, daß das Lassen oftmals ein aktiver Prozess ist. Es gehört Kraft dazu, Lassenskraft, aus dem ständigen Tun und Machen auszusteigen, Fünfe gerade sein zu lassen. Für mich bedeutet das z. B., daß ich die Bienen noch mehr sich selbst überlassen werde, noch weniger eingreifen will, ihnen noch mehr zutrauen will, daß sie ihre eigenen Wege finden, mit der Varroamilbe fertig zu werden.
Mein tägliches Ritual, das ich viele Jahre praktiziert habe und das mich manchmal in völlig neue Bewusstseinräume geführt hat, ist seit einiger Zeit zu einer eher lästigen Pflichterfüllung geworden. Lange bin ich über dieses unwohle Gefühl hinweg gegangen, jetzt habe ich mich entschieden, das Ritual zu lassen. Wenn ich es nicht mehr gern mache, hat es seinen Sinn verloren.
Also nichts tun stattdessen, in die Traumzeit gehen, den Raum einfach offen halten für das, was vielleicht geschehen möchte.
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Montag, 20. Februar 2017

Die schwingenden Felder

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Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Wie wahr!

Ich möchte etwas erzählen, was ich seit Ende letzten Jahres weiß, weil das jetzt kein Geheimnis mehr ist: mein langjähriger Freund J. hat Krebs.
Silvester habe ich mit ihm und seiner Frau, meiner Freundin I. gefeiert und wir haben über das Thema Krebs und Sterben ganz unbefangen sprechen können. Dabei haben wir viel gelacht. Vielleicht klingt das für einige befremdlich. Für mich ist es hingegen genau die Art und Weise, die ich mir den Umgang mit dieser Krankheit wünsche. Und ich verfolge mit großem Interesse, wie J. mit der Diagnose Krebs umgeht.
Heute haben wir lange miteinander telefoniert, und es war einfach nur erfreulich mitzubekommen, mit welcher Offenheit und Neugier er dieser Krankheit begegnet ("der Krebs bin ich", "das letzte Abenteuer meines Erdenlebens"). Es geht ihm gut.
Für ihn war vom Moment der Diagnose klar, daß er keine der schulmedizinischen Möglichkeiten, den Tumor zu verkleinern oder zu eliminieren versuchen wird. Das finde ich einfach nur großartig! Kein Bedauern, kein Hadern, stattdessen eine solche Offenheit für dieses seltsame Treiben in seiner Bauchspeicheldrüse. Ja, er will verstehen, wie und wann und warum irgendetwas in ihm die Entscheidung getroffen hat, in Tod bringendes Wachstum überzugehen. Er sieht den Krebs nicht als Feind - dann sähe er ja einen Teil von sich selbst als Feind - sondern als eine Möglichkeit Neues über sich herauszufinden.
Die Schulmedizin prognostiziert bei dieser Art von Krebs einen relativ schnellen Tod. Sie mag Recht haben, aber ihm geht es darum, sich die verbliebene Zeit, ob sie nun Monate oder Jahre beträgt, schön zu gestalten.
Wen es interessiert, in seinem Blog schreibt J. einiges zu diesem Thema: https://www.selbsterkenntnis-eigensinn.de/blog/
Ich habe in den letzten Jahren mit so vielen an Krebs erkrankten Menschen zu tun gehabt - einige sind gestorben, einige leben und haben die Krankheit als Aufforderung genommen, ihr Leben neu zu gestalten - und weil ich gern in Analogien denke, ist mir diese Idee gekommen:
Die Krebserkrankungen nehmen deutlich zu. Ich sehe da auf globaler Ebene eine Synchronizität zum vorherrschenden Wachstumsparadigma, das ja eine globale Form von Krebs ist - mit tödlichen Folgen für unsere eigene und andere Gattungen. Ich halte es für möglich, daß der Umgang mit einer persönlichen Krebserkrankung uns etwas über den Umgang mit der globalen Krebserkrankung des unbegrenzten Wirtschaftswachstums lehren kann.
Eine Gewissheit habe ich im Laufe meines Lebens gewonnen: wenn ich gegen etwas kämpfe, geht es mir schlecht. Wenn ich für etwas kämpfe, kommt Unterstützung aus den Bereichen, die Ute Schiran so schön "die schwingenden Felder" genannt hat.
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