Sonntag, 29. Januar 2012

Chauvet-Höhle

WSW-2012-030
Mein letzter Beitrag hat für mich überraschend viele Reaktionen hervorgerufen.
Der Umgang mit unliebsamen Emotionen scheint ein großes Thema zu sein. Nein, wegmachen oder unterdrücken geht nicht, scheint mir auch nicht sinnvoll zu sein, sind diese heftigen Gefühle doch Ausdruck meiner Lebendigkeit. Astrid, dein Ansatz gefällt mir am besten. Meine Erfahrung hat mir aber auch gezeigt, daß es nicht sinnvoll und oft genug äußerst destruktiv ist, diese Gefühle auszuagieren. Und was mache ich, wenn andere Menschen mich mit Gefühlsäußerungen bedrängen, weil sie mich als deren Auslöserin/Verursacherin sehen? Ich kann nicht behaupten, daß ich bis jetzt eine für mich gute Lösung gefunden habe.
Ob ich mich mit meinem Zorn, meiner Impulsivität jemanden zumuten kann? Das werde ich jeweils dann sehen, wenn die Reaktion meines Gegenüber kommt. Vor vielen Jahren habe ich mir damit eine Freundschaft zerstört.
WSW-2012-037
Ich habe den Film "Cave of forgotten dreams" über die Chauvet-Höhle im Departement Ardèche von Werner Herzog gesehen. Sehr anrührend! Diese faszinierend genauen, völlig lebendig wirkenden Darstellungen von Großkatzen, Bären, Nashörnern, Pferden. Sie sind vor über 30.000 Jahren entstanden. Wie haben diese JägerInnen- und SammlerInnen gedacht? Wie nah müssen ihnen diese Tiere gewesen sein, daß sie sie so genau darstellen konnten. Welche Schönheit!
Mir scheint, daß diese Menschen sich noch ganz deutlich zugehörig zum großen Netz des Lebendigen gefühlt haben und daß sie die abgebildeten Tiere als ebenbürtig gesehen haben. Und ich bin davon überzeugt, daß sie mit Respekt getötet haben.

Samstag, 21. Januar 2012

Spiegel

WSW-2012-019
Ich wurde Zeugin eines Telefonats, das meine Tochter mit ihrem Freund führte. Sie hatte sich über ihn geärgert, und ihr Ton war laut und scharf. Wie eine Peitsche, dachte ich, unangenehm schon für mich und wie unangenehm erst für ihn am anderen Ende der Leitung.
Mein erster Impuls war, zu ihr zu gehen und ihr deutlich zu machen, daß sie so nicht mit anderen Menschen reden sollte, egal was sie getan hätten. Und überhaupt, schon gar nicht in meinem Haus! Diesem Impuls gab ich, Göttin sei Dank, nicht nach.
Dann wurde mir messerscharf klar, daß sie mir ein Verhalten spiegelte, mit dem sie groß geworden ist: wie oft habe ich Liebhaber, Ehemänner und auch sie in diesem Ton angefahren. Jetzt, wo ich es aus ihrem Mund höre, durchfährt es mich wie ein Schock: wie beschissen fühlt sich das für den Anderen an.
Worum ging es eigentlich? Meine Wutausbrüche hatten wohl meistens den Hintergrund, daß ich den Anderen anders haben wollte als er war. Und natürlich fühlte ich mich in den Situationen auch immer voll und ganz im Recht.
Nun leben wir ja in einer Kultur, in der Menschen grundsätzlich anders sein sollen, als sie sind. Das fängt in der Kindheit schon an und wird von Generation zu Generation unhinterfragt weitergegeben.
Also scheint es auch normal zu sein, daß eineR ihren Mann oder seine Frau mehr oder weniger erzieht. Und das ist dann auch der Anfang vom Ende einer Beziehung.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden: ich finde es wichtig zu sagen, wenn mich etwas stört. Und welche wüsste besser als ich, daß es gute Gründe gibt, Beziehungen zu beenden, weil die Lebensentscheidung des Anderen nicht (mehr) kompatibel mit meiner eigenen ist. Selbstverständlich gibt es auch Grenzüberschreitungen, die ich nicht hinnehmen kann und will - das ist eine Frage der Selbstachtung.
Aber den Anderen zu einem anderen Menschen machen zu wollen, der gesünder lebt, weniger trinkt, raucht, isst, sich mehr mitteilt, mehr Lust auf Sex hat, nicht so oft Sex will usw. führt nach meiner Erfahrung in eine Sackgasse.
Kann ich wissen, welcher Weg für den Anderen der Richtige ist? Nein, ich kann es nie und nimmer! Wenn ich das zu wissen glaube, führt es zu Bevormundung, was ich als eine Form von Gewalt ansehe.
Ja, ich habe leicht reden. Ich bin für mich, fern von allen Beziehungsstreitigkeiten. Sollte ich jemals wieder in dieser Situation sein, daß mir die Galle wegen des Verhaltens anderer Menschen hoch kocht, möchte ich mich daran erinnern, nach draußen zu gehen und meine heftigen Emotionen der Erde zu übergeben.
WSW-2012-016

Dienstag, 17. Januar 2012

Allein leben

WSW-2012-021
Zur Zeit wohnt meine Tochter bei mir. Sie macht ein Schulpraktikum in der freien Schule in Selent. Wir beide sind ja aneinander gewöhnt, und es gibt keinen Kleinkrieg um die Verteilung der Hausarbeit. Einerseits bedeutet das Zusammenleben mit ihr Entlastung für mich, andrerseits wird meine gewohnte und durchaus auch geschätzte Routine durcheinander geworfen. Und dann gibt es da auch die altbekannten kleinen Reibereien, wenn Dinge nicht so laufen, wie eine sie gern hätte.
Nun habe ich ja mit mir selbst die Übereinkunft getroffen, meine Lebendigkeit nicht mehr im alltäglichen Beziehungskampf zu verpulvern, aber wie geht eine mit der Impulsivität der anderen um? Ich erinnere mich an meine eigene Impulsivität und stelle fest, wie wohltuend für mich und wohl auch für andere ist, daß sie nur noch selten geschieht.
Es ist wohl eine große Kunst, mit einem Menschen unter einem Dach zu leben und sich selbst und den anderen so zu lassen, wie er/sie ist.
WSW-2012-024
Durch die neue Oya erfuhr ich etwas über das Herbizid Clomazone, das auf Rapsfelder gesprüht wird, um den Wuchs von Beikräutern zu unterbinden. Clomazone ist gesundheitsschädlich, was weder die Hersteller-Firma Syngenta noch die Agrarlobby stört. Daß Clomazone verwendet wurde, kann eineR am weißlichen Blättern von Wildkräutern am Weg- und Feldrand, aber auch an welken Bäumen und Sträuchern erkennen. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen: diese verblassten Pflänzchen habe ich im letzten Spätsommer haufenweise am Feldwegrand nach Selent gesehen, direkt neben einem riesigen Rapsfeld, das auch an meinen Garten grenzte. Es war nicht zu übersehen und zu überriechen, daß die gutseigenen Äcker mit der Agrochemiekeule behandelt werden, aber jetzt hat die Sache einen Namen.
Was kann eine tun? Weiterhin "Bio-Sprit" (welch zynische Bezeichnung) boykottieren, weiterhin sehr genau darauf achten, was ich einkaufe und verwende. Wo es keine Abnehmer mehr für Scheiße gibt, wird auch keine Scheiße mehr produziert.
Zum Thema Scheiße: im gleichen Oya-Heft steht ein interessanter Artikel über den überaus fruchtbaren Humus Terra preta in Amazonien, der von den indigenen Völkern vor den Konquistadoren aus Gartenabfällen, Holzkohle und eben Scheiße hergestellt wurde. Heute befassen sich etliche Menschen damit, diesen besonderen Kompost herzustellen. Und dabei wurde deutlich, daß menschlicher Kot nur dann genommen werden kann, wenn er frei von Chemikalien, also den gängigen Medikamenten von Psychopharmaka bis Betablockern ist, die ein deutscher Durchschnittsbürger so schluckt. Und natürlich spielt auch die Ernährung eine extrem wichtige Rolle. Es gibt also sone und solche Scheiße ;-)

Sonntag, 8. Januar 2012

terry pratchett

WSW-2012-007
Das Buch von Terry Pratchett gibt es auch auf deutsch: Ein Hut voller Sterne.
Wie gut die Übersetzung ist, kann ich nicht beurteilen. Terry Pratchett hat diesen typisch englischen Humor, der schwer auf deutsch wiederzugeben ist.
Wie auch immer: viel Spaß damit. Übrigens gibt es noch einen ersten Band dieser Hexen-Fantasy-Romane: Kleine freie Männer, englisch The Wee Free Men.
Und Band III und IV gibt es auch, habe ich aber noch nicht gelesen.

Freitag, 6. Januar 2012

Holles Tag

WSW-2012-003
In Süddeutschland und Österreich ist der heutige Tag der Percht, der wilden alten weiblichen Kraft gewidmet. Erst später wurde dieser Tag von den drei Königen besetzt.
Für mich ist es Holles Tag. Sie ist in Norddeutschland bis Hessen und Thüringen zu Hause und hat viele Ähnlichkeiten mit der Percht.
Die Raunächte haben Stürme mit sich gebracht, wie es sich gehört. Dieser Zeitraum zwischen den Jahren ist mir heilig. Es macht Sinn, daß Frauen in diesen zwölf Tagen und Nächten möglichst wenig arbeiten sollen: jetzt ist eine Zeit des Lauschens, Spürens, Träumens.
Das Nicht-Arbeiten ist mir nicht ganz gelungen: nachdem mein Weihnachtsbesuch am 27.12. abgereist ist, war es mir doch ein Bedürfnist, wenigstens den Staubsauger einzusetzen. Schwerwiegender war es aber, daß ich bis auf einen Tag täglich in der Klinik war. Das fühlte sich nicht gut an, aber die entgiftungswilligen Alkoholiker nehmen nun mal keine Rücksicht auf mein Bedürfnis nach Ruhe und Ausschlafen.
Daß mir auf der Station dann durch einen Denkfehler ein Missgeschick unterlief, das böse hätte enden können (Göttin sei Dank ist alles gut gelaufen, auch weil mir der Fehler noch irgendwann auffiel und dank des guten Teams geeignete Maßnahmen ergriffen werden konnten), bringe ich mit der Energie dieser Zeit in Verbindung.
Heute bekam ich einen Anruf von einer freundlichen Frau, die mir mitteilte, daß ich ein im Internet bestelltes Paar Schuhe zweimal bezahlt hätte: einmal per Vorauskasse und dann noch mal nach Lieferung. Ob mir das nicht aufgefallen wäre? Nein, war es nicht. Da hat die Holle sich einen Scherz erlaubt.
WSW-2012-014
Ich lese gerade A Hat Full of Sky von Terry Pratchett. Wunderbares und spannendes Buch. Terry Pratchett weiß was, das kann eine beim Lesen deutlich spüren.
Allein solche Sätze sprechen für sich: "She tells the land what it is. The land tells her who she is."
Das drückt genau aus, was ich spüre, wenn ich draußen in dieser sanften Hügellandschaft mit ihren Steinen, ihren Eichen, Buchen und ihrer Weite bin. Ich bin Erde, solange ich einen Körper habe. Und es ist spannend und schön, ein Erdenwesen zu sein.

Freitag, 23. Dezember 2011

Raunächte

Allerheiligen-2011-1021
Wir haben gestern Abend im dunklen Wald die Wintersonnenwende mit einem richtigen Feuer gefeiert. Trotz dichtem Nebel ließen sich irgendwann die Sterne und der strahlende Jupiter zwischen den Baumkronen blicken.
Wahrscheinlich war das Feuer illegal, aber ich war mir sicher, daß keine Menschenseele uns behelligen würde. Als wir den Kreis aufgelöst hatten, haben wir die noch glimmenden Scheite sorgfältig auseinander gezogen und alles möglichst so hinterlassen, wie wir es vorgefunden hatten. Und den Tieren, deren Platz wir benutzt hatten, haben wir Futter da gelassen.
Ich will in den kommenden Monaten darauf achten, viel mehr die Hände in den Schoß zu legen, und die Dinge kommen lassen, die kommen wollen, zu lauschen, wahrzunehmen, zu träumen.
Workaholisch, wie ich bin, wird mir das nicht leicht fallen. Aber ich will es und spüre ganz deutlich, daß das sein muss.
Und in diesem Sinne verabschiede ich mich jetzt schon mal in die Raunächte, in denen die Frauen nicht arbeiten sollen, weil die Percht/Holle ihnen alles durcheinander bringen würde.
Allerheiligen-2011-103

Sonntag, 18. Dezember 2011

Das Neue träumen

Allerheiligen-2011-085
Danke, liebste Astrid, für deinen Post: erstens, weil er mich wieder sehr erheitert hat und du natürlich Recht hast mit dem, was uns wirklich lehrt, und zweitens wegen des wirklich lesenswerten Links (obwohl diese Mammuttexte immer all meine Widerstände mobilisieren).
Hier also noch mal der Link für alle Interessierten:
http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/06/12/warum-schuler-unsinnig-buffeln-mussen-brief-eines-vaters-an-seine-tochter-zur-erklarung/
Das, was dieser Vater beschreibt, ist extrem gruselig. Allerdings frage ich mich doch, warum er das mitmacht. Es gibt ja heute durchaus die Möglichkeit, Kinder aus dem normalen Schulsystem herauszunehmen. Außer Waldorfschulen existieren aus gutem Grund immer mehr private Schulen, die versuchen, anders zu arbeiten. Ich weiß, daß sie auch nicht ganz machen können, was sie wollen und daß unsere Regierenden sich redlich Mühe geben, ihnen das Leben sehr schwer zu machen. Dennoch sehe ich sie als das geringere Übel an.
Nachdem er ausgiebig den Irrsinn des heutigen Bildungssystems beklagt hat, bin ich jetzt sehr am nächsten Schritt interessiert: was kann eineR machen?
Beklagen hat uns, soweit ich weiß, noch nie weiter gebracht, wohl aber die Initiative von Menschen. Ich erinnere (mich) an das Bild von den Imago-Zellen, die in der formlosen Masse im Inneren des Raupenkokons die neue Gestalt träumen.
In dem irrsinnigen Feld unseres Bildungssystems existieren diese Imago-Zellen in Gestalt von Menschen, die munter dabei sind, etwas anderes zu machen. Die gängigen Medien berichten nicht darüber, aber z.B. die Oya, für die ich mal wieder Reklame machen möchte.
Zum Thema Bildung passt ein Brief meines Opas, den er uns Kindern vor etwa fünfzig Jahren zu Weihnachten geschickt hat. Meine Mutter hat ihn wiedergefunden und mir zukommen lassen: er schreibt in besonders gut leserlicher Handschrift über Weihnachten in dem Dorf seiner Kindheit. Auch die Zeichnungen stammen von ihm. Mein Opa ist in eine einklassige Dorfschule gegangen und war mit dreizehneinhalb Jahren fertig. Dann kam die Lehre.
Er hat immer von seinem Lehrer geschwärmt. Das war ein junger Mann, der mit den Kindern z.B. zusammen ein großes Becken hat ausheben lassen, in dem sie Schwimmen lernen konnten. Dieser junge Mann war von der Jugendbewegung beeinflusst und wußte seine Schüler zu begeistern. Er ist dann als Soldat im ersten Weltkrieg umgekommen. Mein Opa hat übrigens entscheidenden Anteil für mein Interesse an der Natur, den Sternen und dem einfachen Leben. Er hat sich bis ins Alter etwas Kindliches bewahrt, bohrte in jedem Mauseloch mit seinem Spazierstock herum, fackelte Bahndämme ab, weil er Feuer gern hatte, und konnte gut zeichnen, obwohl oder wahrscheinlich weil er darin nie geschult worden war. Ich bin sicher, daß Menschen gern lernen, wenn man es ihnen nicht frühzeitig versaut.
Allerheiligen-2011-107
Ich sehe eine deutliche Analogie zwischen dem globalen Kapitalismus mit seiner Ideologie des unbegrenzten Wachstums (zu der das Bildungssystem gehört)und einer Krebserkrankung: Krebszellen wuchern so lange, bis sie ihren eigenen Organismus zerstört haben.
Der Kapitalismus ist ein gigantisches Selbstzerstörungsprogramm.
Ich träume davon, den Kapitalismus, diesen globalen Krebs, auszuhungern. Wie das gehen kann? Mit Selbstversorgung, Tauschringen, Nachbarschaftshilfe, Konsumboykott und mit radikaler Wiederverwurzelung in der Erde. Wenn ich die jungen Leute in meinem Umkreis mit ihren niegelnagelneuen i-Phones sehe, frage ich mich sowieso, ob diese ganzen Geräte nicht ein Ersatz für das verlernte Spielen und Träumen sind. Und wenn ich daran denke, daß der ach so tolle Steve Jobs diese ganzen monströs teuren i-Phones, i-Pads und i-Sonstwas in China unter menschenverachtenden Bedingungen herstellen ließ, dann kann ich nur noch kotzen.
Allerheiligen-2011-102

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Geschafft

Allerheiligen-2011-088
Der Schnee ist schon wieder weg

Uff, geschafft! Katharinas Examensarbeit ist im Kasten.
Gestern abend, als wir telefonierten, schien sie an dem Punkt zu sein, wo nichts mehr ging, aber noch einiges zu schreiben war.
Panik scheint ein Feld zu erzeugen, dem eine sich schwer entgegenstellen kann. Ich versuchte, ihr Mut zu machen, schickte ihr diverse mal Reiki, zündete eine Kerze für sie an, die die ganze Nacht brannte. Aber ich konnte nicht schlafen, lag in meinem Bett, hörte dem Sturm zu und geriet in einen Gefühlszustand, den ich sehr lange nicht gehabt habe.
Meine Erste Hilfe-Maßnahme in Zeiten der Schlaflosigkeit wegen kreisender Gedanken ist das bewährte Yoga. Aber ich habe diese Woche soviel Yoga gemacht, ich wollte nicht mehr. Szenen aus meinem Leben als junge Frau tauchten auf: ich erlebte Verlassensein und Betrogenwerden noch einmal. Dann kam ein großer finsterer Zorn auf unser Bildungssystem, das soviel Angst und Druck erzeugt. Überhaupt scheint Angst das bestimmende Gefühl unserer sogenannten Kultur zu sein: Menschen mit Angst sind besonders gut auszubeuten und zu manipulieren.
Würde sie es schaffen?
Mir ist früher einige Male von Männern - Liebhabern und einem Therapeuten - gesagt worden, ich solle mich nicht so mit meiner Tochter identifizieren. Sie wußten nichts über die Beziehung Mutter - Kind. Vielleicht spielte auch Eifersucht und Konkurrenz eine Rolle. Wie auch immer: es gibt da eine sehr starke Verbindung, die ist nicht zu kappen und warum denn auch? Wir sind uns sehr ähnlich, nicht nur äußerlich. Im Übrigen habe ich auch schon mit meinem Sohn mit gelitten, wenn er Liebeskummer hatte.
Ich bat meine Helferwesen aus den anderen Ebenen um Hilfe. Um halb fünf stand ich schließlich auf, pusselte in der Wohnung herum, ging mit einer Tasse Kaffee in den Holzschuppen und sah in die stürmische Dunkelheit hinaus. Dann kam eine Art von Frieden: ich hatte alles getan, was ich konnte. Ich habe keinen Einfluss mehr auf das, was geschieht. Alles Weitere muss ich ganz ihr überlassen.
Einige Stunden später rief sie an und berichtete, daß sie nach ein paar Stunden Schlaf doch noch in den Flow gekommen sei.

D., der ich von meinem unerwarteten Gefühlszustand erzählte, kennt das: sie hat zwei erwachsene Söhne und hat auch mit ihnen schon mitgefiebert.

Schön war, wie sehr Katharina unterstützt worden ist: von ihrem Freund, ihren WG-Leuten, Freundinnen, Arbeitskolleginnen, einem Freund aus Bonn, der wie ich Korrektur gelesen hat. Das hat mich sehr berührt.

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