Samstag, 9. Dezember 2017

Welle

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Der erste Schnee wollte nicht liegen bleiben

Ein Erlebnis der aufschlussreichen Art:
ich habe am letzten Sonntag einen neuen WLAN-Router angebracht, den mir mein Provider zugeschickt hat, weil er eine Umstellung vornehmen wollte. Schon Tage vorher hatte ich die Befürchtung, daß es Schwierigkeiten geben würde. Besonders misstrauisch hat mich ein Satz im Begleitschreiben gemacht: "Sie werden sehen, wie einfach alles ist!"
Ich habe - wie wohl die meisten - schlechte Erfahrungen mit Telekommunikationsunternehmen gemacht, allen voran mit der Telekom. Der einzige Anbieter, der angenehm aus der Reihe tanzte, war Kielnet, das exzellenten Service bot und bei denen man es mit echten Menschen in echten Geschäftsstellen in Kiel zu tun hatte. Aber Kielnet wurde vor einigen Jahren von Versatel übernommen und jetzt gehört es zu 1&1.
Obwohl ich mir sehr sicher war, daß ich alles richtig gemacht hatte (es gab ja eine Schritt-für-Schritt-Anleitung), funktionierte seit Montag weder Telefon noch Internet. Handyempfang habe ich zu Hause sowieso fast nie. Meine Nachbarn liehen mir also ihr Telefon, damit ich die Servicenummer anrufen konnte. Ich war dann in den folgenden Tagen mit irgendwelchen Callcenter-Mitarbeitern im Gespräch, wartete vergeblich auf versprochene Rückrufe und fluchte auf meinen Provider. Am Freitag kam dann der Techniker und hatte den Fehler innerhalb einer Minute gefunden.
Es war mein Fehler: ich hätte laut Anleitung den Telefonstecker in die unterste Dose stecken müssen. Ich nahm aber die damit verbundene zweite Dose, da sie die größte Ähnlichkeit mit der in der Bedienungsanleitung hatte. Tatsächlich waren mir hier Zweifel gekommen, auf die ich jedoch nicht gehört habe.
Das Spannende an der ganzen Geschichte: sie hat mir mal wieder gezeigt, wie reflexartig ich einen Schuldigen suche. Und wie sehr ich mir damit für einige Tage meine Stimmung versaut habe. Meine ohnehin schlechte Meinung über Telekomunternehmen schien sich sich mal wieder zu bestätigen und wurde noch gefüttert durch die schlechten Erfahrungen derer, denen ich von meinem Ärger erzählte: Nachbarn, Kollegen, meine Kinder. So habe ich vier Tage mit viel Wut und Beunruhigung verbracht und mich selbst dabei ertappt, wie ich mir schon gar nicht mehr vorstellen konnte, daß sich das Problem gut lösen ließe. Im Kopf entwarf ich Szenarien, in denen ich mit einem wochenlangen Ausfall von Internet und Telefon umging. Eine große Welle - für nichts!

Im Nachhinein habe ich mich gefragt: wofür die ganze Aufregung? Ein paar Tage ohne Anschluss ist doch keine große Sache. Ich checke manchmal für ein bis zwei Tage meine Mails nicht, weil ich keine Lust dazu habe. Ich finde es gut, daß ich kein Smartphone habe, nicht bei Facebook bin, weder über WhatsApp noch über Twitter kommuniziere und in einem richtigen Funkloch lebe. Ich telefoniere an manchen Tagen überhaupt nicht ohne daß mir etwas fehlt. Meine Aufregung war allein dem Umstand geschuldet, daß etwas nicht funktionierte, wie es sollte und ich die Schuld bei etwas außerhalb meiner selbst sah.
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Pasta mit Schwarzkohl und gerösteten Pinienkernen - mmmh!

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