Sonntag, 7. Januar 2018

krank

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Manchmal sind schwarz und weiß nah beieinander

Die Rauhnächte habe ich mit einer Gürtelrose verbracht. Sie machte sich am Freitag vor Heiligabend mit ein paar mückenstichähnlichen Quaddeln nahe der Wirbelsäule bemerkbar. Am Samstag hatten sie sich Richtung Bauchnabel ausgebreitet. Da wusste ich schon ziemlich sicher, was ich hatte und sagte es auch meiner Kollegin. Heiligabend hatte ich frei, die folgenden Feiertage Dienst. Ich nahm mir vor, zum Arzt zu gehen, wenn sich die Symptome weiter verschlimmern würden und arbeitete bis Dienstagabend. Da war der Lymphknoten in der Leistenbeuge ziemlich dick und ab und zu schoss ein brennender oder bohrender Schmerz durch meine linke Seite, allerdings im erträglichen Rahmen. Ich meldete mich für Mittwoch krank und ging zum Arzt. Der bestätigte meine Diagnose, schrieb mich krank und gab mir ein Rezept für Novalgin-Tropfen.
Ich ging nach Hause ohne das Rezept einzulösen und fand es gar nicht erstaunlich, daß ausgerechnet in den Rauhnächten die in den Spinalganglien schlummernden Varizella-Viren sich auf den Weg entlang der Nervenbahnen machten, um da ein wenig Chaos zu stiften. Ich beschloss, die Krankheit als einen deutlichen Aufruf zum Nichts-Tun zu nehmen.
Allerdings war ich nicht ganz konsequent und fuhr am Donnerstag mit meiner Tochter und ihrem Freund zum Markt, um den Kühlschrank wieder aufzufüllen. Da war plötzlich alles anstrengend, und als wir mittags essen gingen, musste ich viel Aufmerksamkeit darauf verwenden, um immer wieder ganz vorsichtig in die einschießenden Schmerzen hinein zu atmen.
Das war aber der einzige Tag, an dem ich mit einem Schmerzmittel liebäugelte. Geholfen haben mir stattdessen Ruhe und meine lieben wilden Pflanzen: Mädesüß gegen die Schmerzen, die mild beruhigende Melisse, die die Fähigkeit hat, mit Herpesviren umzugehen, Blütenessenz aus Johanniskraut (Kubaba-Essenzen von Rita Hagelstange) und Walnussblättertee zum Betupfen des betroffenen Bereichs. Mittlerweile benutze ich dafür Johannisöl, das beim Abheilen hilft.
Das funktioniert gut und ich bin durchaus stolz darauf, daß ich mal wieder ganz auf die Schulmedizin verzichten konnte.
Als mein Sohn klein war, habe ich mich mit dem anthroposophischen Verständnis von Kinderkrankheiten befasst. Er hatte in seinen ersten Lebensjahren viel mit Mittelohr- und Mandelentzündungen zu tun und hat jedes Mal Antibiotika bekommen, weil die Ärzte das für notwenig hielten und ich dem damals nichts entgegen setzen konnte, obwohl ich schon den Zusammenhang zwischen Antibiotika und Infekthäufung herstellen konnte. Ich fand die Theorie, daß Kinderkrankheiten evolutionär sinnvoll sind und Reifeprozesse anstoßen können, einleuchtend und unterließ irgendwann die empfohlene Antiobiotikabehandlung. Stattdessen griff ich zu den alten Hausmitteln, mit denen ich als Kind bei Mandelentzündungen behandelt wurde. Mein Sohn war dann vier Wochen lang krank: erst wieder irgendein Infekt, dann Windpocken, dann Mumps. Er war damals gerade sechs Jahre alt. Ich hatte das Gefühl, daß alles richtig lief: er hatte Windpocken, obwohl er dagegen geimpft war. Einige Jahre später bekam er auch noch Masern, gegen die er auch geimpft war. Jedenfalls war es dann vorbei mit den ständigen Mandel- und Mittelohrentzündungen. Das hat mich überzeugt. Meine Tochter wurde dann gegen gar keine Kinderkrankheit mehr geimpft und hat sie alle bekommen, so wie ich und mein Bruder und meine gesamte Generation.
Gürtelrose wird durch Windpockenviren hervorgerufen. Welche Entwicklung sie jetzt bei mir anstoßen oder auch nicht, werde ich sehen. Jedenfalls war es eine spannende Erfahrung, nicht ganz angenehm, aber auch nicht dramatisch schlimm. Ich hatte das Haus voller Besuch, aber wenn ich mich danach fühlte, habe ich mich ein wenig hingelegt und bin dann wieder aufgetaucht. Auch das ging gut und wir hatten trotz meiner Krankheit eine schöne Zeit miteinander. Ich feiere übrigens gern mit meinen Kindern und dem Freund meiner Tochter Weihnachten. Das ist mir dieses Jahr ganz besonders klargeworden. Sicher liegt es daran, daß jede*r sein kann, wie er/sie ist, ohne Anstrengung und ohne Ansprüche. Und ich komme gut damit klar, daß meine Ordnung für einige Tage einem gemütlichen Chaos weichen muss.
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Weihnachtschaos in meiner Hütte

Jetzt bin ich wieder allein zu Hause und freue mich über den ersten sonnigen und winterlich kalten Tag seit langem, habe Torta della nonna (Vanillecremetorte) gebacken und bin damit zu I. nach Kiel gefahren.
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Das hat mir geholfen!

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